Mikrobiombasierte Therapie

Veränderungen des Darm Mikrobioms sind mit den modernen Zivilisationskrankheiten Adipositas und Typ 2 Diabetes assoziiert und stellen mögliche neue Zielstrukturen zur Entwicklung innovativer Therapien dar. Die therapeutischen Mikrobiom Effekte sind im Vergleich zu modernen Diabetesmedikamenten wie z. B. SGLT2 Inhibitoren und GLP1 Analoga aber eher milde, sodass der alleinige Einsatz beim manifesten Typ 2 Diabetes eher unwahrscheinlich ist. Anders sieht es jedoch beim Prädiabetes aus, der weltweit an Häufigkeit zunimmt (in 2035 geschätzt ½ Milliarde Fälle) und der mit einer jährlichen Progressionsrate von 5-10% sehr häufig in einen manifesten Typ 2 Diabetes übergeht. Bei dieser häufigen Vorstufe des Typ 2 Diabetes liegt eine noch milde Stoffwechselstörung vor und es sind dafür keine klassischen Diabetes-Medikamente zugelassen, sodass dies aus unserer Sicht eine ideale Situation für eine Mikrobiom Intervention darstellt.

Unsere Arbeitsgruppe hat in der Vergangenheit in klinischen Studien nachgewiesen, dass eine Mikrobiom Intervention mit mikroverkapseltem Niacin sowohl das Darm Mikrobiom verändert, als auch positive Effekte auf die Insulinsensitivität auslöst. Dabei verhindert die Verkapslung die systemische Resorption des Niacins im oberen Magen-Darm-Trakt (und damit die klassische Nebenwirkung „Flush“) und bewirkt eine Freisetzung im terminalen Ileum/Colon, wo die meisten Darmbakterien angesiedelt sind (=controlled-ileal-release). In einer klinischen Machbarkeitsstudie wurden in den Jahren 2016 und 2017 in Kiel freiwillige Probanden über 6 Wochen mit Niacin Mikrokapseln in verschiedenen Dosierungen behandelt. Die Auswertungen ergaben, dass die Intervention zu signifikanten Mikrobiom Veränderungen führt und zu einer signifikanten Verbesserung der Insulinsensitivität von Leber und Skelettmuskulatur.

Aktuell planen wir eine multizentrische Interventionsstudie mit 520 Prädiabetikern über einen Zeitraum von 6 Monaten an 3 Studienzentren in Deutschland. Ziel ist es zu untersuchen, ob sich ein Prädiabetes durch eine Behandlung mit Controlled-ileal-release nicotinic acid (CIR-NA) zurückbilden lässt (=primärer Endpunkt). Dabei sollen 3 Interventionsgruppen mit je 130 Patienten eingeschlossen werden, die mit 100 mg, 200 mg oder 500 mg CIR-NA behandelt werden, sowie eine Placebogruppe mit ebenfalls 130 Patienten. Die Studienmedikation wird nach AMG Regularien hergestellt. Als sekundäre Endpunkte sollen Effekte auf Insulinsensitivität, Glukose- und Fettstoffwechsel sowie Leberverfettung untersucht werden.